Ab welchem Blutdruck platzen die Gefäße?

Ein Rohr das platzt. Symbolisch für ein platzendes Gefäß
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Experimente zeigen das unsere Gehirngefässe erst bei Druckwerten über 1600mmHg platzen. Solch hohe Blutdruckwerte wurden jedoch noch nie beim Menschen beobachtet. Das Risiko für eine Gefäßblutung ist lediglich bei veränderten Gefäßen (Atherosklerose) und Aneurysmen erhöht.

Univ. Prof. Dr. Thomas Binder

Bluthochdruck und Blutung

Die Vorstellung, dass die Gefäße ab einem gewissem Blutdruckwert einfach platzen ist falsch. Aus Untersuchungen an menschlichen Gehirngefässen wissen wir das diese auch extrem hohe Druckwerte aushalten. Im Durchschnitt platzen diese Gefäße erst wenn der Druck 1680mmHg (2.21 atm) erreicht. Es kann aber zu Blutungen in den kleineren Gefäßen kommen wenn diese vorgeschädigt sind. Vor allem im Gehirn. Dies führt dann zu einem Schlaganfall. Eine Blutung ist jedoch auch nicht die häufigste Ursache für einen Schlaganfall. Viel öfter ist die Ursache ein Gefäßverschluss. Ob es zu einer Gefäßblutung kommt hängt nicht alleine von der Höhe des Blutdrucks ab. Viel wichtiger ist es ob die Gefäße (zum Beispiel durch langdauerndem Hochdruck bzw. Atherosklerose) vorgeschädigt sind. Auch blutverdünenende Medikamente können eine Blutung begünstigen. Junge Menschen mit gesunden Gefäßen tolerieren oft erstaunlich hohe Blutdruckwerte. Denken sie z.B daran dass der Blutdruck bei gesunden Sportlern auch weit über 200mmHg ansteigen kann. Vor allem bei Kraftsportarten kommt es vorübergehen zu sehr hohen Werten. Auch hier platzen die Gefäße nicht. Dies liegt unter anderem daran, dass der Druck in den kleinen Gefäßen um 50-70% geringe als der gemessene Blutdruck ist. Die großen Gefäße haben wiederum eine viel dickere Wand und platzen deshalb nicht.

Ein Rohr das platzt. Symbolisch für ein platzendes Gefäß
Die Vorstellung das unsere Gefäße ab einem gewissen Bluthochdruckwert einfach platzen ist falsch

Somit können Patienten mit Hochdruck sehr hohe Blutdruckwerte erreichen, ohne dass es zu einer Blutung kommt. Auch wenn das Risiko für eine Blutung mit Zunahme des Blutdrucks steigt besteht kein Grund zu Panik.

Übrigens Blutungen der Bindehaut des Auges (Hyposphagma) entsteht selten als Folge eines Hochdrucks, viel öfter ist diese Folge von kleinen Verletzungen. Gelegentlich treten solche Blutungen auch durch Pressen, Husten und Niesen auf.

Blutungen der Augenbindehaut kann, wenn auch selten Ausdruck eines Hochdrucks sein

Aneurysmen und Bluthochdruck

Neben der Atherosklerose können auch Aneurysmen zu einer Blutung führen. Aneurysmen sind Aussackungen bzw. umschriebene Erweiterungen der Gefäße. Aneurysmen können an verschiedenen Stellen der Gefäße auftreten. Vor allem an der Hauptschlagader (Aortenaneurysma), an den Gefäßen welche das Gehirn versorgen (intracranial aneurysmen), sowie der Beinarterien (femoral- popliteal aneurysms). Die Wand von Aneurysmen sind dünn. Deshalb können sie auch leichter Einreissen. Der Blutdruck spielt hier auch eine Rolle. Bluthochdruck begünstigt das „Platzen“ eines Aneurysma. Einen Grenzwert für den Blutdruck ab wann dies passiert gibt es allerdings auch nicht.

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